Geschichte

1950
1947 wurde die gemeinsame Leitung von Goldschmiedeschule und Kunstgewerbeschule beschlossen.

Die Abteilung Goldschmiedeschule wurde 1952 Prof. Hermann Thom übertragen. Sie bestand aus drei Bereichen: Berufsschule, Berufsfachschule mit 45 Stunden Vollzeitunterricht und den Kursen für Gastschüler zur Vorbereitung auf die Gesellenprüfung. Das Provisorium der Trautz´schen Fabrik wurde immer unerträglicher. Ein Schulneubau war erforderlich. Er wurde am 20. Mai 1960 an der St. Georgen-Steige eingeweiht. Dies war vor allem das Verdienst von Hermann Thom.
 

Im Jahre 1932 trat Professor Rudolf Rücklin als Schuldirektor zurück. Ihm folgte Oberstudiendirektor Reinhold Hermann, der bis in die Zeit des zweiten Weltkrieges im Amt verblieb.

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1920
Im Schuljahr 1920-1921 wurde zum ersten Mal an der Schule eine Klasse mit Vollzeitunterricht für Goldschmiede geschaffen. Die zehn Schüler ohne Lehrverhältnis hatten 43 Wochenstunden, später 49. Damit war der Anfang für die heutige Berufsfachschule gesetzt. Für Mädchen mit Goldschmiedelehrstelle wurde ebenfalls die Schulpflicht eingeführt und 1929 auf die Berufe Zeichnerin, Guillocheurin, Emailleurin und Laborantin ausgedehnt.

Mit dem Schuljahr 1920-1921 wurde der Werkstattunterricht in den Pflichtunterricht aufgenommen, was bei den spezialisierten Industrieverhältnissen allgemeine Anerkennung fand.

Den höchsten Schülerstand erreichte die Schule im Schuljahr 1924-1925 mit 2401 Schülern. Der Unterricht musste auf andere Schulhäuser ausgedehnt werden bis 1926 ein Erweiterungsbau der Goldschmiedeschule bezogen werden konnte. Da trat 1926-1927 infolge der wirtschaftlichen Rezession ein Rückgang der Schülerzahlen ein, die im Schuljahr 1928-1929 noch 1067 betrugen. Nur langsam erholte sich die Schmuckindustrie, wodurch die Schülerzahlen wieder stiegen, ohne die Höhe vom Anfang des Jahrzehntes zu erreichen.

Aus heutiger Sicht besondere Berufe waren damals der Steingraveur, Elfenbeinschnitzer, Guillocheur, Zeichner, Emailmaler, Glasschleifer, Ringmacher, Armbandmacher, Gehäusemacher, Dosenmacher, Bleistiftmacher, Former, Metalldrücker, Presser und Probierer.

 

1910
Im Jahre 1912 konnte die Schule das umgebaute frühere Gebäude der Kunstgewerbeschule an der Jahnstraße beziehen. Diese hatte 1911 das Jugendstilgebäude in der Holzgartenstraße erhalten. Die Schülerzahl war mittlerweile auf nahezu 2300 gestiegen.

Der erste Weltkrieg setzte dieser Entwicklung ein Ende. Die Hälfte der Lehrer wurde eingezogen. Da die Militärverwaltung im Spätjahr 1914 das Gebäude als Lazarett einrichtete, fand der Lehrbetrieb in Sälen der Kunstgewerbeschule statt. Im November 1915 erreichte die Schülerzahl einen Tiefstand von 770 Schülern. Für Schüler ohne Lehrstellen wurden Montierkurse eingerichtet. Daran nahmen erstmals auch Mädchen teil. Unmittelbar nach Kriegsende fanden Fortbildungskurse für Kriegsbeschädigte und Kriegsteilnehmer statt. Vorübergehend musste die Schule wegen Kohlenmangels und einer Typhusepidemie geschlossen werden.

 

 
1900
Kommerzienrat H. Gesell formulierte diese Neuorientierung im Jahre 1902 in seiner Denkschrift "Neuorganisation der Goldschmiedeabteilung bzw. der Goldschmiedeschule". Dieser Anstoß zeigte Wirkung: Bereits im Jahre 1903 kam es zu einer Umarbeitung des Lehrplanes der Goldschmiedeabteilung, die den Fächern Freihandzeichnen und Modellieren größere Bedeutung verlieh. Im selben Jahr trat der Bildhauer P. P. Pfeiffer die Zeichenlehrerstelle an. Seine spezielle Aufgabe war der Ausbau des Modellierunterrichtes. Von ihm stammt die "Geschichte der Goldschmiedeschule" in zwei Bänden aus den Jahren 1929-1930. Schließlich kam es zur Loslösung der Goldschmiedeabteilung von der Gewerbeschule.

Seit 1905 besaß die Stadt Pforzheim eine eigenständige Goldschmiedeschule mit 1016 Schülern. Mit der Leitung wurde ein hervorragender Kenner von Schmuckgeschichte, der Schmuckentwerfer und Journalist Prof. Rudolf Rücklin betraut. Der gebürtige Pforzheimer hatte zuvor eine zwölfjährige Lehrtätigkeit an der Kunstgewerbeschule ausgeübt und gab der Schmuckindustrie durch seine kompetenten und kritischen Kommentare wertvolle Impulse.

Direktor Rücklin hatte gleich nach Amtsantritt das Fachlehrersystem wieder eingeführt. Ein Nachteil der Schule lag im fehlenden Schulzwang. Erst 1908-1909 wurde aufgrund eines Ortsstatutes, das der neu gebildete Goldschmiedeschulbeirat ausgearbeitet hatte, für die Industrielehrlinge die dreijährige Schulpflicht eingeführt.
 
1890
Im Jahre 1887 wurde der seit zwanzig Jahren an der Gewerbeschule tätige Friedrich Rücklin zum Direktor ernannt. Er kannte die Pforzheimer Schmuckszene und arbeitete unverzüglich konkrete Unterrichtspläne aus, die "die Gründung einer Goldwarenfabrik bis zum flotten Gange derselben" zum Ziel hatten. Während die Handwerkerberufe infolge ihres Kleinbetriebes Fächer wie "Geschäftskunde" und "Buchführung" benötigten, lag es im ureigensten Interesse der Schmuckindustrie, bei der eine Trennung zwischen dem kaufmännischen Bereich und der Herstellung bestand, den Zeichen- und Modellierunterricht auszubauen. Doch auch die Teilung der Gewerbeschule in eine Handwerkerabteilung (361 Schüler) und eine Goldschmiedeabteilung (874 Schüler) unter gemeinsamer Leitung führte nicht zu dem gewünschten Erfolg. Die Änderung der Organisationsform erfolgte mit dem Umzug der Gewerbeschule in ein modernes Schulgebäude auf der Insel im Jahre 1892. Das Schulhaus an der Jahnstraße verblieb der Kunstgewerbeschule und dem Kunstverein.
 
1868-1869
wurde als weiteres Fach das Entwerfen von Ornamenten mit je 3 Stunden wöchentlich in die zweite und dritte Klasse aufgenommen. Neu ist ebenfalls die Einführung eines Abendmodellierunterrichtes für Gäste. Die schon seit 1868 bestehende Absicht, den Bedürfnissen der Schmuckindustrie nach einem künstlerisch qualifizierten Nachwuchs Rechnung zu tragen, hatte die Erweiterung der Schule um eine reine "Künstlerklasse" zur Folge, aus der 1877 mit dem Bezug eines Neubaus an der Jahnstraße als selbständige Einrichtung die "Kunstgewerbeschule Pforzheim" hervorging. Zum Direktor wurde Architekt Waag ernannt, der auch den Unterricht im Freihandzeichnen und Modellieren an der Gewerbeschule erteilte.
 
1770-1877
Doch Melchior Andreas Koessler, der bereits am Tage seiner Amtseinführung dem Markgrafen seine Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen mitteilte, erfüllte nur seinen Jahresvertrag. Die Zeichenschule allerdings hatte sich bewährt "zum Besten derer armen Waisen, die in Ansehung derer Fabriquen dieses Unterrichts mehr als andere bedörften".

Unter den Nachfolgern Koesslers ließen die Schülerzahlen merklich nach.
In einer Werbebroschüre von 1771 führte Christin, einer der drei Gründerväter der Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie neben anderen Vorteilen von Betrieb und Standort - die Tatsache der von ihm und seinen Co-Entrepreneurs veranlassten (damals einmaligen) schulischen künstlerischen Ausbildung von Lehrlingen als Werbeargument für seinen Betrieb ins Feld.
Seit 1771 bestand für die Pforzheimer Lehrlinge die Möglichkeit, Unterricht im architektonischen Zeichnen zu nehmen, wofür die Stadt den sehr geschätzten Werkmeister Arlet beschäftigte.
Auch geometrisches Zeichnen wurde in der Pforzheimer Zeichenschule gelehrt.
Seit dem Jahre 1805 bestand in Pforzheim eine "Freihand-Zeichenschule" für die Schüler des Pädagogiums (der ehemaligen Lateinschule) und der Volksschule sowie für sonstige Freiwillige.
Ihr Zweck - so die Akten - sei auf die "Bildung guter Handwerker und feinerer Künstler sehr eingreifend" und "folglich vor hiesige Stadt sehr wichtig".

Im Jahre 1833 wurde diese Freihandzeichenschule als "Handwerkerschule" für die Pforzheimer "Gewerbelehrlinge" ausgebaut. Schon ein Jahr später schrieb die großherzogliche Staatsregierung, durch landesherrliche Verordnung, allen Städten mit größerer Industrie die Einführung von Gewerbeschulen vor. So wurde 1834 aus der "Handwerkerschule" die Gewerbeschule. Der Unterrichtsplan wurde erweitert, doch fehlte der Schule eine wirksame Organisation. Ein Unterrichtsfach nach dem anderen wurde eingestellt. 1838 wurde nur noch "Freihandzeichnen" gegeben.

1846 wurde Modellierunterricht mit je drei Wochenstunden für die zweite und dritte Klasse der Graveure und Goldschmiede eingeführt.
Nach den Revolutionsjahren 1848- 1849 nahm die hiesige Schmuckwarenindustrie einen ungewöhnlichen Aufschwung. Dies spiegelte sich in den Schülerzahlen wider. Betrug die Zahl der Schüler der Schmuckindustrie im Jahr 1844 noch 47 Klassenschüler und 30 Zeichengäste, "Bijouters", so stieg sie in den folgenden Jahren kontinuierlich weiter an; 1858-59 auf 375, 1870 waren es 441. Der wirtschaftliche Aufschwung von 1871 bis 1873 ließ die Zahlen von 57 auf 1024 schnellen. Die folgende Rezession bewirkte, daß im Jahre 1878 noch 530 Schüler angemeldet waren. Während der 80er Jahre besserte sich die wirtschaftliche Lage und brachte 1885 einen vorläufigen Höchststand von 1090 Schülern aus der Schmuckindustrie.

Der erste gedruckte Jahresbericht erschien für das Schuljahr 1851-1852. Unterrichtsfächer für die Bijouterielehrlinge waren: Freihandzeichnen, Ornamentmodellieren - es war die Zeit des Historismus -, deutsche Sprache und Aufsatzlehre, Wirtschaftslehre, Arithmetik und Naturlehre. Die Graveure besuchten noch das Projektionszeichnen.
Der vorhandene Schulsaal reichte nicht mehr aus. 1859 konnte ein Erweiterungsbau des Pädagogiums bezogen werden.

Im Schuljahr 1865- 66 war mit freiwilligem Zuschuss der Fabrikanten ein zweiter Zeichen- und Modellierlehrer angestellt worden.